
Die Mutter Gottes in Maria Steinbach ist Ziel vieler Wallfahrer, die sich mit unterschiedlichsten Anliegen auf den Weg zu ihr machen. Am vergangenen Freitag brach von Legau aus eine kleine Pilgergruppe auf, um für den seit Langem ausgebliebenen Regen zu beten. Die Illerwinkler Bäuerinnen hatten zu der Wallfahrt eingeladen. Die Idee dazu stammte von Maria Theresa Natterer, die mit Georg Rauh schnell einen tatkräftigen Unterstützer fand. Gemeinsam setzten sie die Initiative in die Tat um.
Dass Wasser die Grundlage allen Lebens ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Während in den vergangenen Jahren vor allem von Trockenperioden in Regionen wie Franken oder Brandenburg zu hören und zu lesen war, sind deren Auswirkungen inzwischen auch bei uns deutlich spürbar. Auf den Feldern wächst vieles nur spärlich, Brunnen, die seit jeher zuverlässig Wasser führten, sind teilweise ausgetrocknet und auch die niedrigen Grundwasserstände geben Anlass zur Sorge.
Doch nicht nur die Landwirtschaft leidet unter anhaltender Trockenheit. Niedrige Wasserstände großer Flüsse können die Schifffahrt beeinträchtigen und damit auch Auswirkungen auf den Waren- und Güterverkehr haben. In anderen Teilen Europas kann Wassermangel zudem die Energieerzeugung erschweren, wenn beispielsweise nicht genügend Kühlwasser zur Verfügung steht.
Grund genug also, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um für das lebensspendende Nass zu bitten und zugleich an einen sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser zu appellieren. Unter der Leitung von Luis Sauter wurden auf dem Weg verschiedene Gebete gesprochen und Lieder gesungen. Am ersten Bildstock mit den Geheimnissen des schmerzhaften Rosenkranzes, der die nach Maria Steinbach Pilgernden auf ihrem Weg begrüßt, hielt die Gruppe inne und betete den Wettersegen. Dieser schließt die Bitte um Schutz vor den Gefahren ein, die von Wetterereignissen ausgehen können.
Unterwegs schlossen sich immer mehr Menschen der Wallfahrergruppe an. In Maria Steinbach angekommen, wurden die Pilger von Pater Josef und Uli Breher an der Pforte der Wallfahrtskirche begrüßt. Zur anschließenden Andacht kamen weitere Gläubige hinzu.
Pater Josef fand nachdenkliche Worte: „Gott hat die Welt erschaffen und er hat sie uns übergeben. Er hat sie in verantwortungsvolle Hände gegeben. Wir tragen die Verantwortung für menschengemachte Veränderungen in dieser Welt.“
Vielleicht war es eine Ironie des Schicksals, dass es ausgerechnet am Tag der Wallfahrt nach längerer Trockenheit wieder einmal ausgiebig regnete. Doch trotz des Niederschlags fehlt weiterhin Wasser. So war der Regen letztlich nur der viel zitierte „Tropfen auf den heißen Stein“.
Mögen die Bitten erhört werden – und mögen die Menschen daraus auch die Erkenntnis mitnehmen, dass der Klimawandel nicht irgendwo anders stattfindet, sondern uns alle betrifft. Diese Erde hat nur ein Klima.
Am Ende der Andacht bedankte sich Georg Rauh bei allen Teilnehmenden. Maria Theresa Natterer hatte für die Hauptakteure zudem ein passendes Präsent mitgebracht: einen Regenschirm.
Vielleicht entwickelt sich aus dieser Initiative eine feste Wallfahrt, ähnlich der Gschnaidtwallfahrt. Diese wurde 1986 ins Leben gerufen. Anlass für den damaligen Bittgang war die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Pfarrer Renftle und Kirchenpfleger Moritz Heckler waren die Initiatoren, nachdem der radioaktive Fallout auch das Allgäu erreicht hatte und große Unsicherheit darüber herrschte, wie mit der Situation umzugehen sei. Die daraus entstandene Wallfahrt hat nun seit 40 Jahren Bestand.
Viele der Menschen, die sich am Freitag auf den Weg gemacht haben, wären bei einer Fortsetzung sicherlich gerne wieder dabei. Im Anschluss an die Andacht saßen die Teilnehmenden noch gemütlich beisammen und ließen die Wallfahrt in geselliger Runde ausklingen.
Du hast ein Event von dem du bereichten willst? Du willst etwas aus oder für den Illerwinkel vorstellen? Du hast eine eigene Meinung und willst sie zu einem Thema zum Illerwinkel mitteilen... dann schick' uns 'ne Mail. Wir freuen uns auf eure Beiträge, die den Illerwinkel bunter und lebendiger werden lassen. Also haut rein in die Tasten...
Mach mit...